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Meine Odysee
Die meisten Schmerzpatienten haben wohl eine ähnliche Odyssee hinter sich wie ich. Ein Wechselbad von Hoffnung und Enttäuschung.Bei mir begannen die Schmerzen mit einem Bandscheibenvorfall L5/S1. Bei starken Schmerzen und ersten Ausfällen im Bein lag eine Operationsindikation vor. Im Sommer 1997 wurde der Bandscheibenvorfall operiert. Danach ging es mir wieder gut. Wegen der Bandscheibenoperation wurde ich umgeschult. Als Industriekaufmann. Ab da an hatte ich eine sitzende Tätigkeit!
Im Jahr 2002 kamen erneut starke Rückenschmerzen und Taubheitsgefühle im Bein. Es folgte eine erneute Operation im gleichen Segment. Wieder war eine deutliche Besserung und Schmerzfreiheit eingetreten. Vom Rentenversicherungsträger wurden nach einigen Streitigkeiten ein höhenverstellbarer Schreibtisch und ein Spezialstahl übernommen.
Im Jahr 2004 fing das ganze wieder an. Schmerzen beim Sitzen, Taubheitsgefühle im Bein. Also wieder zum Orthopäden. Es folgten neurologische Untersuchungen und CT-Aufnahmen. Das Ergebnis: Es liegt zwar erneut ein leichter Vorfall bei L5/S1 vor aber der Nerv ist frei. Davon können keine Schmerzen kommen. Die Rückenmuskulatur ist nur verspannt. Massagen, Fango und Krankengymnastik folgten. Solange ich krankgeschrieben war, waren die Schmerzen weg. So habe ich mich von krankgeschrieben bis zum Urlaub durchgeschleppt. Wegen der Schmerzen hat sich bereits mein Gangbild verändert. Ein humpelnder Gang gehörte jetzt zu mir. Um die Schmerzen im Griff zu haben, greift man zu frei verkäuflichen Schmerztabletten.
Dann kommen die Tipps: "Da gibt es einen tollen Schmerzarzt, der hat meinem Schwager super geholfen, der ist jetzt schmerzfrei." Also einen Termin bei diesem Arzt gemacht. Es dauert zwar 4 Wochen, aber bei einem guten Arzt muss man als Kassenpatient vielleicht auch länger warten.
Zum ersten Besuch habe ich alle OP-Berichte und Röntgenaufnahmen dabei. Nach einer kurzen Untersuchung weis ich, 3 bis 4 Spritzen und die Schmerzen sind weg. Für mindestens 2 bis 3 Jahre, dann muss die Behandlung eventuell erneut erfolgen. Das klingt ja toll. 3 Wochen krankgeschrieben und 2 mal die Woche eine sehr unangenehme Spritze, und die Schmerzen waren weg. (Wenn ich 3 Wochen Urlaub hatte, war ich auch oft schmerzfrei). Kurz nachdem ich wieder angefangen habe zu arbeiten, waren die Schmerzen wieder da.
Jetzt kamen die ersten Zweifel. Rede ich mir die Schmerzen nur ein, bin ich so wehleidig? Da ist ja nichts was wehtun kann, das haben mir die Ärzte alle gesagt. Und Sport mache ich doch auch. Schwimmen und Radfahren geht ja noch.
Von den Fachärzten kriegt man nur tolle Tipps: gehen sie in Rente, wenn sie schmerzfrei sind wenn sie nicht arbeiten. Toll! Mit noch nicht mal 50 in Rente. Das heißt dann nicht Rente, sondern Sozialhilfe.
Dann bekommt man wieder einen Tipp von dem tollen Schmerzarzt. Also auch dorthin, mit langer Wartezeit für den Termin. Der hat genauso schnell wie sein Vorgänger festgestellt, dass mit ein paar Spritzen alle erledigt ist. Auf meinen Einwand, dass ich das schon erfolglos hinter mich gebracht habe, bekam ich die Antwort, dass er ja was ganz anderes macht. Also wieder eine Spritzenkur. Jetzt fahre ich mit einem total tauben Hintern vom Arzt weg. Nach ein paar Stunden lässt die Taubheit nach und die Schmerzen sind wieder da. Da halte ich sogar 10 Spritzen durch. Dann langt es mir. Wegen Erfolglosigkeit abgebrochen.
Inzwischen sind die Schmerzen immer stärker geworden. Mein Hausarzt überweist mich zur Schmerzambulanz der Uni Schlierbach. Auf der Homepage der Schmerzambulanz lese ich etwas von Schmerzodysee und Unverständnis bei Ärzten. Aha! Da sind Leute die sich auskennen. 3 Monate muss man allerdings auf den Termin warten. Als es endlich soweit ist erfolgt eine sehr ausführliche Untersuchung und es werden neue Röntgenaufnahmen beauftragt. Ich bekomme einen Termin in 4 Wochen zu den Aufnahmen und zur nächsten Besprechung. Jetzt habe ich wieder Hoffnung, dass die Schmerzen doch nicht eingebildet sind und dass man was dagegen machen kann.
Dann kommt die Besprechung. Das war dann der totale Hammer: stellen sie sich nicht so an, machen sie mehr Sport, dann geht es ihnen wieder besser. Und gehen sie mal zum Psychotherapeuten. Sie haben nix.
Da habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, dass es eine einfache ind schnelle Möglichkeit gibt, schmerzfrei zu werden. Nur der Weg war mir nicht klar. Tabletten, Sprung von der Brücke, oder so.
Inzwischen kommen zu meinen 8 Stunden Arbeit noch 3 bis 4 Stunden Fahrtzeit täglich dazu. Die Schmerzen lassen sich nur mit 4 bis 5 Schmerztabletten täglich ertragen. Die Beine wollen auch nicht mehr so richtig. Als es Anfang 2009 zu einem Zusammenbruch der Beine kommt, schickt mich mein Hausarzt mit einer Noteinweisung in die neurochirurgische Klinik. Dort werde ich untersucht und mit Blick auf die mitgebrachten Röntgenbilder erklärt mir der Arzt, dass da ein erneuter Vorfall vorliegt, der operiert werden muss. Der macht auch die Schmerzen. Als ich ihn darum bat, einmal auf das Datum der Aufnahme zu achten ist der Arzt erschrocken: 2004! Also hat man mich 5 Jahre mit einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall rumlaufen lassen. Die neuen Aufnahmen zeigten kaum eine Veränderung des Vorfalls. Nach der Operation war ich schmerzfrei. Was für ein Gefühl. Nur die Narbenschmerzen, sonst keine Schmerzen.
Hatten sich da die Ärzte 5 Jahre lang nicht getraut, die Diagnose der Vorgänger anzuzweifeln? Ich hoffe nur, dass es jetzt in der Anschlussheilbehandlung gelingt, den Schmerzspeicher zu löschen.
Mal sehen, wie es weitergeht.


